This content is currently only available in German.
Deutschland
Vom Apothekenbesuch zur Online-Sprechstunde: Wie sich die Gesundheitsversorgung in deutschen Städten wandelt

Die Apotheke an der Ecke war jahrzehntelang eine Selbstverständlichkeit. Sie war Anlaufstelle für das Rezept vom Hausarzt, für den Rat bei Erkältung und für die Frage, ob zwei Medikamente zusammen vertragen werden. Für viele war sie zudem der niedrigschwelligste Kontakt zum Gesundheitssystem überhaupt: ohne Termin, ohne Wartezimmer, ohne Anmeldung.
Diese Rolle verändert sich gerade — nicht weil die Nachfrage sinkt, sondern weil sich die Wege verschieben, auf denen Menschen sie befriedigen.
Die Apotheke vor Ort: Zahlen zu einer Institution im Umbruch
Ende März 2026 gab es bundesweit noch 16.541 Apotheken — 60 weniger als zum Jahreswechsel. In diesem Zeitraum standen 19 Neueröffnungen 79 Schließungen gegenüber. Damit liegt die Apothekenzahl auf dem niedrigsten Stand seit fast 50 Jahren.
Bemerkenswert ist dabei, was der Rückgang nicht ist: ein Nachfrageproblem. Allein 2025 zählten die Apotheken rund eine Milliarde Patientenkontakte.
Der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes, Hans-Peter Hubmann, ordnet die Lage so ein: Die Versorgung sei zwar weiterhin gesichert, aber lange könne es so nicht weitergehen. Jede geschlossene Apotheke bedeute weitere Wege für tausende Patienten. Als Ursache nennt er nicht individuelle Fehlentscheidungen oder schärferen Wettbewerb, sondern eine chronische Unterfinanzierung.
Konkret geht es um den Fixbetrag von 8,35 Euro pro Packung, der seit 2013 unverändert ist. Die Branche fordert eine Anhebung auf 9,50 Euro.
Im europäischen Vergleich steht Deutschland dabei nicht üppig da: Auf 100.000 Einwohner kommen hierzulande etwa 20 Apotheken, im EU-Durchschnitt sind es 31.
Für Städte bedeutet das vorerst wenig spürbare Veränderung — die Wege bleiben kurz. Auf dem Land und in Randlagen sieht es anders aus.
Warum immer mehr Menschen zuerst online schauen
Parallel zum schrumpfenden Netz hat sich das Verhalten der Patientinnen und Patienten verändert. Drei Gründe treiben die Entwicklung.
Zeitdruck und Öffnungszeiten
Wer werktags von acht bis achtzehn Uhr arbeitet, hat für Arztbesuch und Apothekengang praktisch nur die Mittagspause. Digitale Angebote sind an keine Öffnungszeiten gebunden — das ist der Vorteil, den Nutzer am häufigsten nennen.
Wartezeiten auf Facharzttermine
Die Wartezeit auf einen Termin ist für viele der eigentliche Engpass. Bei Anliegen, die keine körperliche Untersuchung erfordern, wirkt die Vorstellung, dafür Wochen zu warten, zunehmend unverhältnismäßig.
Diskretion bei sensiblen Themen
Der dritte Grund wird selten offen benannt, ist aber wirksam. Es gibt Beschwerden, über die viele Menschen nicht am Apothekentresen sprechen möchten, während hinter ihnen eine Warteschlange steht. Erektile Dysfunktion gehört dazu, ebenso Haarausfall oder Gewichtsprobleme.
Studien zur Versorgungsforschung zeigen seit langem, dass ein Teil der Betroffenen bei solchen Themen gar keine Behandlung sucht — nicht aus fehlendem Leidensdruck, sondern aus Scham. Für diese Gruppe verändert ein digitaler Zugang die Schwelle erheblich.
Was digitale Angebote hinzufügen
Das E-Rezept als Infrastruktur
Seit dem 1. Januar 2024 ist das E-Rezept für verschreibungspflichtige Medikamente in der gesetzlichen Krankenversicherung verbindlich. Bis April 2026 wurden rund 1,3 Milliarden digitale Verordnungen eingelöst.
Das ist die eigentliche Grundlage des Wandels: Ohne digitale Verordnung wäre eine durchgehend digitale Behandlungskette gar nicht möglich.
Telemedizin
Die Fernbehandlung ist in Deutschland inzwischen regulär zulässig. Ärztinnen und Ärzte dürfen unter bestimmten Voraussetzungen ausschließlich über Kommunikationsmedien behandeln und verordnen. Genutzt wird das vor allem bei Folgerezepten, klar umgrenzten Beschwerdebildern und Verlaufskontrollen.
Neben den Videosprechstunden der eigenen Praxis haben sich Plattformen etabliert, die den gesamten Weg von der Anamnese über die ärztliche Beurteilung bis zum Rezept digital abbilden. Anbieter wie apomeds.com/de arbeiten dabei mit Fragebögen, die von approbierten Ärztinnen und Ärzten geprüft werden; im geeigneten Fall folgt eine Verordnung, andernfalls die Empfehlung einer persönlichen Vorstellung.
Was digitale Angebote nicht leisten
Diese Einschränkung gehört zur Einordnung dazu. Eine Ferndiagnose ersetzt keine körperliche Untersuchung. Wo abgetastet, abgehört oder ins Ohr geschaut werden muss, endet die Möglichkeit der Fernbehandlung. Auch bei unklaren Beschwerden, bei denen die Diagnose selbst offen ist, führt der Weg in die Praxis.
Seriöse Anbieter kennzeichnen diese Grenze und lehnen Anfragen ab, die sie nicht sicher beurteilen können. Das ist ein brauchbares Qualitätsmerkmal: Eine Plattform, die alles verordnet, verdient weniger Vertrauen als eine, die Fälle abweist.
Wann welcher Weg der passende ist
Die Frage lautet weniger „digital oder vor Ort" als „was passt zu diesem Anliegen".
Situation | Passender Weg |
|---|---|
Akute Beschwerden mit unklarer Ursache | Arztpraxis vor Ort |
Fieber, Schmerzen, Verletzungen | Praxis oder Notdienst |
Beratung zu Wechselwirkungen | Apotheke vor Ort |
Medikament wird sofort gebraucht | Apotheke vor Ort |
Fragen zur Anwendung und Dosierung | Apotheke vor Ort |
Folgerezept bei bekannter Diagnose | digital möglich |
Wiederkehrende Behandlung, stabil eingestellt | digital möglich |
Sensible Themen, erste Kontaktaufnahme | digital möglich |
Impfberatung, Blutdruckmessung, Medikationsanalyse | Apotheke vor Ort |
Die rechte Spalte macht deutlich, was oft übersehen wird: Die Apotheke vor Ort hat Aufgaben, die digital schlicht nicht abbildbar sind. Die pharmazeutische Beratung bei Mehrfachmedikation, der Blick auf Wechselwirkungen, die Einschätzung, ob ein Symptom in die Selbstmedikation gehört oder in die Praxis — das leistet kein Fragebogen.
Umgekehrt ist es wenig sinnvoll, für ein Folgerezept bei einer seit Jahren stabilen Behandlung einen Vormittag Urlaub zu nehmen.
Worauf Sie bei digitalen Angeboten achten sollten
Wer einen Online-Dienst nutzt, sollte einige Punkte prüfen:
Approbierte Ärztinnen und Ärzte, idealerweise mit Angabe, in welchem Land sie zugelassen sind
Impressum und ladungsfähige Anschrift — bei Gesundheitsangeboten ein Mindeststandard
Nachvollziehbarer Umgang mit Gesundheitsdaten, die nach DSGVO besonders geschützt sind
Erkennbare Grenzen: Wird auf Fälle hingewiesen, die nicht digital behandelbar sind?
Versandapotheke mit deutscher oder EU-Zulassung, prüfbar über das Versandhandelsregister des DIMDI
Transparente Kosten, aufgeschlüsselt nach ärztlicher Leistung und Medikament
Ein Hinweis, der oft fehlt: Bei privat abgerechneten Leistungen übernimmt die gesetzliche Krankenkasse in der Regel nichts. Das sollte vor der Nutzung klar sein.
Fazit: Die Versorgung wird hybrid, nicht digital
Die naheliegende Erzählung — hier die sterbende Apotheke, dort die aufsteigende Plattform — trifft die Realität nicht. Was tatsächlich passiert, ist eine Aufteilung nach Anlässen.
Für alles, was Untersuchung, unmittelbare Beratung oder sofortige Abgabe erfordert, bleibt die Vor-Ort-Versorgung unersetzlich. Eine Milliarde Patientenkontakte im Jahr sind kein Auslaufmodell. Für planbare, wiederkehrende und sensible Anliegen entsteht daneben ein zweiter Weg, der Zugangshürden senkt — vor allem für Menschen, die bisher gar keine Behandlung gesucht haben.
Die eigentliche Frage der kommenden Jahre ist deshalb nicht, welcher Weg gewinnt, sondern ob beide Wege so verbunden werden, dass Patientinnen und Patienten nicht zwischen zwei getrennten Systemen wechseln müssen. Das E-Rezept hat gezeigt, dass eine gemeinsame Infrastruktur funktionieren kann.
Apotheken in Ihrer Stadt mit Öffnungszeiten, Notdienst und Bewertungen finden Sie im Verzeichnis von Die Besten der Stadt.

Max Schmidt
Lokaler Experte