Hamburg
Hamburg im Sommer: Wenn die Hansestadt ihr schönstes Kleid trägt – 8 unvergessliche Outdoor-Erlebnisse

Wer Hamburg nur aus der kalten Jahreszeit kennt, mit seinem melancholischen Nieselregen und den gemütlichen Stunden in warmen Cafés, der hat nur die halbe Wahrheit dieser faszinierenden Metropole gesehen. In unserem letzten Artikel haben wir uns den winterlichen Reizen der Hansestadt gewidmet – doch jetzt drehen wir den Spieß um. Denn wenn der Sommer in Hamburg Einzug hält, passiert etwas Magisches. Es ist, als würde die Stadt tief durchatmen und eine verborgene, mediterrane Seele offenbaren, die man so weit im Norden kaum für möglich halten würde.
Hamburg im Sommer ist nicht einfach nur eine Jahreszeit, es ist ein Lebensgefühl. Die sprichwörtliche norddeutsche Zurückhaltung weicht einer ansteckenden Euphorie. Die Tage sind endlos lang – die Sonne geht zur Mittsommerzeit erst weit nach 21:30 Uhr unter – und das Leben verlagert sich komplett nach draußen. Die Stadt, die von Wasser geprägt ist wie kaum eine andere, wird zu einem einzigen großen Freizeitpark unter freiem Himmel. Überall glitzert es: auf der Alster, in den unzähligen Kanälen, auf der Elbe. Die Parks füllen sich mit dem Duft von Grillkohle, und die Beachclubs am Hafenrand werden zu den Wohnzimmern der lauen Nächte.
Doch die Fülle an Möglichkeiten kann überwältigend sein. Wo findet man den schönsten Sonnenuntergang? Welcher Strandabschnitt an der Elbe ist der richtige für mich? Und wo kann man abseits der Touristenmassen die Seele baumeln lassen? In diesem ultimativen Guide tauchen wir tief ein in das sommerliche Hamburg. Wir haben tief recherchiert und präsentieren Ihnen keine oberflächliche Liste, sondern acht detaillierte, unvergessliche Outdoor- und Freizeitaktivitäten, die Ihren Sommer in der Hansestadt perfekt machen. Packen Sie die Sonnenbrille ein, mieten Sie sich ein Stadtrad und lassen Sie uns gemeinsam das strahlende Gesicht dieser Stadt entdecken.

1. Das Herz der Stadt erobern: Auf dem Wasser durch Alster und Kanäle gleiten
Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz in Hamburg: Sobald das Thermometer die 20-Grad-Marke knackt, muss man aufs Wasser. Die Alster, dieser riesige, aufgestaute See mitten im Zentrum der Stadt, ist im Sommer der absolute Hotspot. Doch "die Alster" ist vielfältig. Da ist zum einen die Binnenalster direkt am Jungfernstieg, eingerahmt von Prachtbauten und dominiert von der mächtigen Fontäne. Sie ist die elegante Bühne der Stadt. Viel spannender für Outdoor-Aktivitäten ist jedoch die wesentlich größere Außenalster und das daran anschließende, weitverzweigte Netz aus Kanälen und Fleeten, das sich durch die nördlichen Stadtteile zieht.
Ein absolutes Muss für jeden Hamburg-Sommer ist eine Tour mit dem eigenen (Leih-)Boot. Die Perspektive vom Wasser aus ist einzigartig. Man gleitet vorbei an den rückwärtigen Gärten prächtiger weißer Stadtvillen in Harvestehude und Winterhude, die man von der Straße aus nie sehen würde. Trauerweiden lassen ihre Äste tief ins Wasser hängen und bilden grüne Tunnel, durch die man hindurchpaddelt. Die Stille auf den kleineren Kanälen, wie dem Osterbekkanal oder dem Goldbekkanal, ist verblüffend, obwohl man sich mitten in der Millionenstadt befindet.
Für die sportlichen Typen ist das Stand-Up-Paddling (SUP) in den letzten Jahren zur Trendsportart Nummer eins geworden. Es gibt unzählige Verleihstationen rund um die Außenalster, zum Beispiel beim legendären "Bobby Reich" am Nordufer oder diversen Anbietern in den Kanälen. Auf dem Board stehend hat man den besten Überblick. Wer es klassischer mag, mietet sich ein Kanu oder Tretboot. Ein besonderes Highlight ist es, sich am späten Nachmittag ein Boot zu sichern, Proviant und kühle Getränke einzupacken und dem Sonnenuntergang auf dem Wasser entgegenzupaddeln. Die Stimmung, wenn sich der Himmel orange-rosa färbt und sich die Lichter der Stadt im Wasser spiegeln, ist pure Romantik.
Ein beliebter Anlaufpunkt auf dem Wasser ist die "Alsterperle" am Ostufer der Außenalster. Dieses ehemalige Klohäuschen ist heute ein Kult-Kiosk. Hier trifft sich halb Hamburg auf ein Feierabendbier. Das Besondere: Man kann direkt mit dem Kanu oder SUP anlegen, sich ein Getränk holen und es wieder mit aufs Wasser nehmen. Aber Vorsicht auf der großen Außenalster: Hier haben Segelboote und die großen Alsterdampfer immer Vorfahrt! Die kleineren Kanäle im Norden sind windgeschützter und entspannter für Anfänger. Egal für welches Gefährt Sie sich entscheiden, eine Tour auf Hamburgs Wasserwegen ist die Essenz des Sommers in dieser Stadt.

2. Strandfeeling mit Hafenblick: Ein Tag am Elbstrand Övelgönne und darüber hinaus
Wenn Berliner vom Wannsee schwärmen und Münchner von der Isar, dann lächelt der Hamburger nur milde und fährt an die Elbe. Der Elbstrand ist einzigartig in Europa. Wo sonst kann man im feinen Sand liegen, die Füße ins Wasser strecken und gleichzeitig gigantischen Containerschiffen dabei zusehen, wie sie sich ihren Weg in den Hafen bahnen oder aufs offene Meer hinausziehen? Dieser Kontrast aus industrieller Hafenromantik – mit den Kränen des Burchardkai am Horizont und dem geschäftigen Treiben der Schlepper – und purem Urlaubsfeeling im Sand ist das, was den Hamburger Sommer ausmacht.
Der Klassiker ist der Strandabschnitt in Övelgönne, unterhalb des steilen Elbhangs bei Ottensen. Hierhin gelangt man am stilvollsten mit der HVV-Hafenfähre Linie 62 (dazu später mehr) bis zum Anleger Neumühlen. Schon der Weg vom Anleger zum Strand ist ein Erlebnis: Man passiert den Museumshafen mit seinen historischen Schiffen und flaniert an den wunderschönen, alten Lotsen- und Kapitänshäuschen vorbei, deren kleine, blühende Vorgärten direkt an den schmalen Fußweg grenzen. Der Strand selbst ist hier, rund um die legendäre "Strandperle" (einem Kiosk und Imbiss, der eine Institution ist), im Sommer sehr belebt. Hier trifft sich die Stadt zum Sonnenbaden, zum Grillen am Abend (bitte nur in den ausgewiesenen Zonen!) und um das Leben zu feiern. Der Blick auf den gegenüberliegenden geschäftigen Hafen ist spektakulär.
Wer es etwas ruhiger mag und bereit ist, ein paar Schritte weiter zu gehen (oder das Fahrrad zu nehmen), der sollte dem Elbufer flussabwärts Richtung Westen folgen. Hinter dem "Alten Schweden", einem riesigen Findling am Strand, wird es deutlich leerer. Die Strandabschnitte beim Hans-Leip-Ufer und weiter bis hin zum Rissener Ufer und Wittenbergen sind weitläufiger und naturbelassener. In Wittenbergen gibt es sogar einen wunderschönen Leuchtturm und einen großen Waldspielplatz, ideal für Familien. Hier hat man oft hunderte Meter Strand fast für sich allein, und der Blick weitet sich, da der Hafen langsam zurückbleibt.
Ein wichtiger Hinweis zum Baden in der Elbe: Ja, man sieht im Sommer viele Menschen im Wasser, besonders in den Uferbereichen. Die Wasserqualität hat sich in den letzten Jahrzehnten massiv verbessert. Dennoch ist die Elbe ein tideabhängiger Fluss mit starker Strömung und Schiffsverkehr. Besonders die Sogwirkung der großen Containerschiffe kann gefährlich sein. Gehen Sie nur bis zur Hüfte ins Wasser, schwimmen Sie niemals in die Fahrrinne und achten Sie unbedingt auf Ihre Kinder. Der Elbstrand ist primär ein Ort zum Sonnen, Chillen und Staunen – das Schwimmen sollte man lieber auf die vielen Hamburger Freibäder oder Badeseen verlagern. Dennoch: Ein Sommertag ohne Sand zwischen den Zehen am Elbufer ist kein echter Hamburger Sommertag.

3. Die grünen Lungen der Stadt: Picknick und Kultur im Stadtpark oder Planten un Blomen
Hamburg gilt als eine der grünsten Millionenstädte Europas, und im Sommer zeigen die Parks, warum dieser Ruf gerechtfertigt ist. Sie sind die erweiterten Wohnzimmer der Hamburger, Orte der Begegnung, der Kultur und der absoluten Entspannung. Zwei Parks stechen dabei besonders hervor, jeder mit seinem ganz eigenen Charakter: Der riesige Stadtpark in Winterhude und die perfekt inszenierte Oase Planten un Blomen mitten in der City.
Der Hamburger Stadtpark ist der "Volkspark" im besten Sinne. Hier trifft sich wirklich jeder. Das Herzstück ist die riesige Festwiese, die sich an einem warmen Sommertag in einen gigantischen Teppich aus Picknickdecken, frisbeespielenden Gruppen und sonnenbadenden Menschen verwandelt. Über allem thront das Planetarium im alten Wasserturm, ein architektonisches Wahrzeichen, dessen Aussichtsplattform einen fantastischen Blick über die Stadt bietet. Im Stadtpark wird gegrillt (in den erlaubten Zonen), Musik gemacht und gelebt. Es gibt einen großen Naturbadesee, der an heißen Tagen für Abkühlung sorgt, diverse Biergärten wie das "Landhaus Walter" oder "Schumachers Biergarten" und die legendäre Freilichtbühne, auf der im Sommer internationale Top-Acts Konzerte unter freiem Himmel geben. Der Stadtpark ist laut, lebendig und voller Energie.
Ganz anders, aber nicht weniger faszinierend, ist Planten un Blomen (Plattdeutsch für "Pflanzen und Blumen"). Dieser Park zieht sich wie ein grünes Band von der Messe bis zum Kiez St. Pauli. Er ist ein Meisterwerk der Gartenbaukunst. Hier geht es etwas geordneter zu als im Stadtpark. Man flaniert durch verschiedene Themenbereiche: Der Japanische Garten mit seinem Teehaus ist einer der größten seiner Art in Europa und ein Ort der absoluten Stille und Ästhetik. Der Rosengarten betört im Hochsommer mit tausenden Blüten und Düften. Die weitläufigen Wiesen laden zum ruhigeren Sonnenbaden ein, und für Kinder gibt es hier wohl die besten und größten Spielplätze der ganzen Stadt, inklusive riesiger Wasserspiele.
Ein absolutes Highlight in Planten un Blomen sind die sommerlichen Abende. Am Parksee finden täglich die berühmten Wasserlichtspiele statt. Zu klassischer oder moderner Musik tanzen beleuchtete Wasserfontänen in den Nachthimmel – ein kitschig-schönes Spektakel, das völlig kostenlos ist und hunderte Zuschauer anzieht. Zudem gibt es im Musikpavillon regelmäßig kostenlose Open-Air-Konzerte von Jazz bis Klassik. Während der Stadtpark die Party ist, ist Planten un Blomen das elegante Gartenfest. Beide sind unverzichtbare Bestandteile des Hamburger Sommers.

4. Die günstigste Hafenrundfahrt der Welt: Mit der HVV-Fähre den Wind um die Nase wehen lassen
Hamburg ohne Hafen ist undenkbar. Und im Sommer, wenn das Wasser der Elbe in der Sonne glitzert und die leichte Brise die Hitze der Stadt erträglich macht, zieht es alle an die Landungsbrücken. Natürlich kann man hier für viel Geld eine klassische Hafenrundfahrt mit den traditionellen Barkassen buchen – und das ist mit den humorvollen Erklärungen der "He lücht"-Kapitäne ("Er lügt") auch durchaus ein Erlebnis. Aber der wahre Hamburger Sommer-Hack, das authentischste und günstigste Erlebnis, ist eine Fahrt mit den Hafenfähren des HVV (Hamburger Verkehrsverbund).
Diese Fähren sind keine Touristenboote, sondern reguläre öffentliche Verkehrsmittel, die man mit einem ganz normalen HVV-Ticket (z.B. einer Tageskarte) nutzen kann. Die Königslinie ist die Linie 62. Sie startet an den Landungsbrücken, Brücke 3, und fährt elbabwärts bis nach Finkenwerder und wieder zurück. Eine komplette Rundfahrt dauert etwa eine Stunde. Besonders am Wochenende und bei schönem Wetter kann es voll werden – dann drängen sich Touristen und Einheimische auf dem Freideck. Aber das gehört dazu. Man ergattert sich einen Platz an der Reling, lässt sich den Fahrtwind um die Nase wehen und genießt das Panorama.
Die Fahrt ist spektakulär: Man passiert die riesigen Schwimmdocks von Blohm+Voss, wo oft gigantische Kreuzfahrtschiffe oder Luxusyachten zur Reparatur liegen. Man fährt vorbei am Fischmarkt, an der modernen Architektur des "Dockland"-Bürogebäudes, das wie ein Schiffsbug über die Elbe ragt, und erreicht schließlich den Museumshafen Övelgönne (der perfekte Ausstieg für den Strandbesuch, siehe Punkt 2). Weiter geht es vorbei am Containerterminal Burchardkai, wo die größten Containerschiffe der Welt ent- und beladen werden – ein faszinierendes Ballett aus Stahl und Logistik. Die Endstation Finkenwerder auf der Südseite der Elbe bietet einen ganz anderen, dörflicheren Charakter und einen Blick auf das Airbus-Werk.
Die Rückfahrt Richtung Landungsbrücken bietet dann das klassische Hamburg-Panorama mit der Elbphilharmonie, dem Michel und den historischen Schiffen wie der "Cap San Diego" und der "Rickmer Rickmers". Ein Tipp: Holen Sie sich vor der Fahrt an den Landungsbrücken (z.B. bei "Brücke 10") ein frisches Fischbrötchen und ein kühles Astra-Bier für die Fahrt. Besser und günstiger kann man das maritime Flair Hamburgs im Sommer nicht einsaugen. Es ist das pure Gefühl von Freiheit und Fernweh, mitten in der Stadt.

5. Sundowner mit Panoramablick: Die Beachclub-Kultur von St. Pauli bis HafenCity
Wenn sich ein langer Sommertag in Hamburg dem Ende zuneigt, stellt sich nur noch eine Frage: Wo gibt es den besten "Sundowner"? Die Stadt hat eine ausgeprägte Beachclub-Kultur entwickelt, die sich entlang der Elbe erstreckt und für jeden Geschmack etwas bietet. Diese Orte sind die perfekten Logenplätze, um zu beobachten, wie die Sonne hinter dem Hafen versinkt und die Lichter der Kräne und Schiffe angehen.
Ganz klassisch und immer noch einer der beliebtesten Orte ist "StrandPauli" am oberen Ende der Landungsbrücken, Richtung Fischmarkt. Hier ist der Name Programm: Palmen, Sandboden, Liegestühle und eine entspannte, fast schon karibische Atmosphäre treffen auf den rauen Charme des Hamburger Hafens. Man sitzt direkt gegenüber den Docks und hat einen unverstellten Blick auf das Geschehen auf der Elbe. Die Musik ist chillig, die Cocktails sind kalt, und wenn abends die Feuerschalen entzündet werden und die Lichterketten leuchten, will man eigentlich nie wieder aufstehen. Es ist der perfekte Ort, um nach einem Tag in der Stadt die Füße hochzulegen.
Wer es etwas moderner und urbaner mag, zieht weiter in die HafenCity. Hier, zwischen moderner Architektur und historischen Speicherstadt-Fleeten, entstehen immer neue temporäre und feste Locations. Ein Highlight sind die Terrassen rund um den Magdeburger Hafen oder direkt an der Elbe mit Blick auf die Elbphilharmonie. Diese Clubs sind oft etwas schicker, die Beats etwas elektronischer, das Publikum etwas gestylter. Hier genießt man den Aperol Spritz in einem Ambiente, das auch in Miami oder Barcelona sein könnte, aber mit dem unverwechselbaren Hamburger Backstein-Panorama im Hintergrund.
Aber Hamburg wäre nicht Hamburg, wenn es nicht auch eine alternative Variante gäbe. Das sogenannte "Cornern" (vom englischen "Corner", Ecke) ist besonders in den Szenevierteln Sternschanze und St. Pauli beliebt. Man holt sich ein Getränk am Kiosk (dem "Späti" des Hamburgers) und setzt sich einfach auf den Bürgersteig, an eine Straßenecke oder auf einen Platz. Ein legendärer, wenn auch lauter Ort dafür ist die Sternbrücke an der Schanze/Altona-Grenze. Unter der massiven Stahlkonstruktion der Bahnbrücke treffen sich hunderte Menschen, die umliegenden Clubs wie "Fundbureau" oder "Astra Stube" öffnen ihre Türen nach draußen. Es ist rau, es ist laut, es riecht nach Großstadtasphalt und Sommernacht – ein authentisches Stück Hamburger Subkultur.

6. Kino unter Sternen: Die Magie der Open-Air-Filmnächte
Ein lauer Sommerabend, ein kühles Getränk, Popcorn und ein guter Film unter freiem Himmel – das ist eine Kombination, die einfach unwiderstehlich ist. Hamburg hat eine fantastische Dichte an Open-Air-Kinos, die den ganzen Sommer über ein vielfältiges Programm bieten, von aktuellen Blockbustern über Arthouse-Perlen bis hin zu absoluten Kultfilmen. Die Locations sind dabei oft genauso spektakulär wie die Filme selbst.
Das wohl atmosphärischste Freiluftkino ist das "Schanzenkino" mitten im Sternschanzenpark. Die Leinwand wird auf der Rückseite des alten Wasserturms (heute ein Hotel) aufgebaut. Die Zuschauer sitzen auf einer ansteigenden Wiese, man kann sich Stühle leihen oder einfach die eigene Picknickdecke mitbringen. Das Besondere hier: Der Ton kommt nicht aus Lautsprechern, sondern über Funkkopfhörer, die man am Eingang erhält. Das sorgt für einen perfekten Sound ohne störende Nebengeräusche und hat den angenehmen Nebeneffekt, dass man sich mit seinem Nachbarn unterhalten kann, wenn man die Kopfhörer abnimmt, ohne andere zu stören. Wenn es dunkel wird und die Lichter der Stadt rund um den Park angehen, entsteht eine unvergleichliche, intime Stimmung inmitten des urbanen Trubels.
Eine weitere Institution ist das "Zeise Open Air" im Innenhof des Altonaer Rathauses. Die Kulisse des prächtigen weißen Gebäudes ist beeindruckend, und die Filmauswahl, oft kuratiert vom renommierten Zeise Kino, ist exzellent. Hier trifft sich ein cineastes Publikum, das die besondere Atmosphäre eines historischen Ortes zu schätzen weiß. Aber auch in anderen Stadtteilen poppen im Sommer Leinwände auf: auf dem Rathausmarkt in der Innenstadt, im Hafen oder in diversen Parks.
Neben den reinen Kinos ist der Hamburger Sommer auch eine Zeit der Festivals. Das "MS Dockville" in Wilhelmsburg (siehe nächster Punkt) Ende August ist eine riesige Mischung aus Musik- und Kunstfestival in einer industriell-romantischen Hafenkulisse. Das "Reeperbahn Festival" im September markiert oft das Ende des Sommers, ist aber das größte Clubfestival Europas. Diese Events zeigen, dass Hamburg im Sommer nicht nur entspannt, sondern auch kulturell unglaublich vibrierend ist. Ein Abend im Open-Air-Kino ist der perfekte, kulturelle Ausklang eines aktiven Sommertages.

7. Raus ins Grüne: Eine Radtour auf dem Deich ins Alte Land
Hamburg ist großartig, aber manchmal braucht man auch im Sommer eine Pause vom urbanen Trubel. Zum Glück liegt eines der schönsten und größten Obstanbaugebiete Europas direkt vor der Haustür: das Alte Land. Eine Radtour dorthin ist der perfekte Tagesausflug, um Landluft zu schnuppern, historische Fachwerkhäuser zu bewundern und tonnenweise frisches Obst zu genießen.
Die Tour startet am besten wieder mit der HVV-Fähre 62 von den Landungsbrücken nach Finkenwerder. Sobald man dort von Bord geht, verändert sich die Welt. Man lässt den Industriehafen hinter sich und taucht ein in eine Landschaft aus Deichen, Wassergräben (den sogenannten "Wettern") und endlosen Reihen von Apfel-, Kirsch- und Birnbäumen. Der Weg ist das Ziel: Man radelt immer auf oder direkt hinter dem Elbdeich entlang. Zur Linken die Elbe, auf der die großen Schiffe Richtung Nordsee fahren, zur Rechten die idyllische Kulturlandschaft. Die Strecke ist komplett flach und somit für jeden Radfahrertyp geeignet, vom Hollandrad-Genießer bis zum Rennradler.
Das Alte Land ist berühmt für seine prächtigen, historischen Fachhallenhäuser mit ihren kunstvoll gemauerten Buntmauer-Fassaden und den reich verzierten "Brauttüren". Viele dieser Höfe sind seit Jahrhunderten in Familienbesitz. Ein absolutes Highlight ist die Zeit der Obstblüte im Frühjahr (meist Mai), wenn alles in Weiß und Rosa getaucht ist, aber auch der Hochsommer und Herbst zur Erntezeit sind fantastisch. Überall am Wegesrand gibt es kleine Hofläden und Verkaufsstände, die frisches Obst, Säfte oder Marmeladen anbieten.
Ein Pflichtstopp ist eines der vielen Hofcafés, wie zum Beispiel in Jork, dem Herzen des Alten Landes. Hier gibt es riesige Stücke hausgemachten Apfel- oder Kirschkuchen mit Sahne, die man im Kaffeegarten unter alten Bäumen genießen kann. Wer bis nach Cranz radelt, kann von dort mit einer kleinen Barkasse (Fähre Lühe-Schulau) über die Elbe nach Blankenese übersetzen und auf der nördlichen Elbseite durch das noble Treppenviertel zurück in die Stadt fahren – eine perfekte Rundtour von etwa 40-50 Kilometern. Dieser Ausflug ist pure Entschleunigung und zeigt eine ländliche Facette der Metropolregion, die viele Besucher überrascht.

8. Der Insider-Tipp: Wilhelmsburg und die wilde Seite der Elbinsel entdecken
Lange Zeit war Wilhelmsburg, die größte Flussinsel Europas, die zwischen der Norder- und Süderelbe liegt, ein Stadtteil, den Touristen und selbst viele Hamburger "nördlich der Elbe" mieden. Es galt als raues Arbeiterviertel. Doch das hat sich massiv geändert. Spätestens seit der Internationalen Gartenschau (igs) 2013 ist Wilhelmsburg aus seinem Dornröschenschlaf erwacht und hat sich zu einem der spannendsten, vielfältigsten und grünsten Orte für den Hamburger Sommer entwickelt – ein echter Insider-Tipp abseits der ausgetretenen Pfade.
Herzstück der sommerlichen Aktivitäten ist der Wilhelmsburger Inselpark, der aus dem Gartenschaugelände hervorgegangen ist. Anders als der elegante "Planten un Blomen" ist dieser Park wilder, moderner und aktiver. Hier gibt es alles, was das Outdoor-Herz begehrt: Einen riesigen Skatepark, der zu den besten Deutschlands zählt, Basketballplätze, einen Hochseilgarten für Schwindelfreie und Kanäle, auf denen man Kanu fahren kann. Die Wiesen sind weitläufig, und die Atmosphäre ist herrlich multikulturell und entspannt. Hier grillen türkische Großfamilien neben Hipster-Gruppen aus der Schanze, und alle genießen die Sonne.
Ein absolutes Highlight in Wilhelmsburg ist der "Energieberg Georgswerder". Diese ehemalige Mülldeponie wurde saniert und zu einem Kompetenzzentrum für erneuerbare Energien umgebaut. Ein spektakulärer Höhenweg führt um die Spitze des Berges, auf dem riesige Windräder stehen. Von hier oben hat man einen der besten und ungewöhnlichsten Ausblicke auf Hamburg: Man sieht die gesamte Skyline der Innenstadt, aber aus der Süd-Perspektive, mit dem riesigen Hafen und den Industrieanlagen im Vordergrund. Besonders zum Sonnenuntergang ist dieser Blick magisch und surreal zugleich.
Wilhelmsburg ist auch kulturell ein Hotspot. Alte Industriehallen wurden zu Künstlerateliers oder Eventlocations umfunktioniert. Am "Veringkanal" im Reiherstiegviertel finden sich alternative Cafés und Bars, die an das Berlin der 90er Jahre erinnern. Hier findet man das "andere" Hamburg – jünger, rauer, bunter und unglaublich lebendig. Ein Ausflug auf die Elbinsel (einfach mit der S-Bahn S3/S31 bis Wilhelmsburg in 10 Minuten vom Hauptbahnhof) ist eine Reise in ein Hamburg, das sich ständig neu erfindet und im Sommer seine kreativste Seite zeigt.

Fazit: Ein Sommer, acht Welten – Hamburgs unerschöpfliche Vielfalt
Hamburg im Winter ist gemütlich, melancholisch und schön. Aber Hamburg im Sommer ist eine Offenbarung. Die Stadt beweist, dass sie sich vor keiner Metropole der Welt verstecken muss, wenn es um Lebensqualität, Wassererlebnisse und Outdoor-Vibes geht. Diese acht Aktivitäten sind nur ein Ausschnitt dessen, was möglich ist, aber sie repräsentieren die Seele des Hamburger Sommers.
Von der eleganten Alsterfahrt bis zum rauen Charme in Wilhelmsburg, vom Strandfeeling in Övelgönne bis zur ländlichen Idylle im Alten Land – die Hansestadt bietet im Sommer für jeden Tag der Woche eine neue Welt, die es zu entdecken gilt. Sie müssen sich nicht entscheiden, ob Sie einen Städzetrip, einen Strandurlaub oder einen Aktivurlaub machen wollen. In Hamburg bekommen Sie im Sommer alles auf einmal.
Also, vergessen Sie den Regenschirm (meistens jedenfalls), packen Sie die Badesachen ein und lassen Sie sich von der Energie dieser Stadt anstecken. Mieten Sie sich ein Boot, setzen Sie sich mit einem kühlen Getränk an die Elbe und beobachten Sie die Schiffe. Sie werden feststellen: Es gibt kaum einen besseren Ort auf der Welt, um einen strahlenden Sommertag zu verbringen, als in der "schönsten Stadt der Welt". Der Hamburger Sommer wartet auf Sie!
Sarah Müller