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Neubrandenburg

Verborgene Schätze: Geheimtipps in Neubrandenburg

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Verborgene Schätze: Geheimtipps in Neubrandenburg

Neubrandenburg, die Stadt der vier Tore, offenbart jenseits ihrer bekannten Wahrzeichen eine Fülle an verborgenen Schätzen, die selbst viele Einheimische noch nicht entdeckt haben. Wer die üblichen Touristenpfade verlässt und sich auf Entdeckungstour begibt, findet in der mecklenburgischen Stadt eine erstaunliche Vielfalt an besonderen Orten, die einen Besuch mehr als lohnenswert machen.

Ein echter Geheimtipp ist der versteckt gelegene Skulpturenpark am Rande des Kulturparks. Auf einem weitläufigen, parkähnlichen Gelände haben über zwanzig regionale und internationale Künstler dauerhafte Installationen geschaffen, die sich harmonisch in die Natur einfügen. Der Eintritt ist kostenfrei, und an Sommerwochenenden werden Führungen mit den Künstlern angeboten, die spannende Einblicke in die Entstehungsprozesse geben. Nur wenige hundert Meter entfernt, versteckt in einem umgebauten ehemaligen Wasserturm, befindet sich eine kleine, aber feine Galerie für zeitgenössische Fotografie mit wechselnden Ausstellungen.

Naturliebhaber sollten den verwunschenen Klostergarten der ehemaligen Franziskaneranlage aufsuchen. Hinter hohen Mauern verbirgt sich ein liebevoll restaurierter Kräuter- und Meditationsgarten, der nach historischem Vorbild angelegt wurde. An jedem ersten Samstag im Monat öffnet ein ehrenamtlicher Verein die Pforten und bietet Kräuterführungen mit anschließender kleiner Verkostung an – ein stiller Ort der Entschleunigung mitten in der Stadt.

Für kulinarische Entdeckungen empfiehlt sich der wöchentliche Abendmarkt am kleinen Rathausplatz, der donnerstags ab 17 Uhr stattfindet. Abseits des bekannteren Hauptmarktes haben sich hier kleinere, spezialisierte Anbieter zusammengefunden, die handgemachte Produkte, regionale Delikatessen und internationale Street-Food-Spezialitäten anbieten. Ein Tipp für den Sommer: Am Tollensesee gibt es eine kaum bekannte, nur zu Fuß erreichbare Badestelle mit Sandstrand und altem Baumbestand, die an heißen Tagen eine ruhige Alternative zu den stark frequentierten Strandbädern bietet. Neubrandenburg belohnt den neugierigen Entdecker mit authentischen Erlebnissen fernab des Mainstreams.

Das Erstaunlichste an Neubrandenburg übersehen viele Durchreisende komplett: Die mittelalterliche Wehranlage mit ihren vier Toren gilt als eine der besterhaltenen Norddeutschlands – und der Rundweg auf dem Wall einmal um die Altstadt ist der schönste Stadtspaziergang weit und breit. Zwischen Friedländer und Stargarder Tor reihen sich Wiekhäuser wie Perlen in die Stadtmauer.

Diese Wiekhäuser sind der eigentliche Geheimtipp: Die einstigen Wehrhäuschen beherbergen heute Galerien, Kunsthandwerk und kleine Cafés – ein Museumsrundgang im Freien, bei dem man zwischendurch Kaffee trinken kann. Wer mit Betreibern ins Gespräch kommt, bekommt Stadtgeschichten gratis dazu.

Die Konzertkirche setzt den kulturellen Kontrapunkt: Aus der kriegszerstörten Marienkirche wurde ein Konzertsaal von überregionalem Rang – außen Backsteingotik, innen moderne Akustik. Schon das Gebäude lohnt den Besuch, ein Konzertabend adelt ihn.

Vor den Toren wartet das Wasser: Der Tollensesee mit Kulturpark, Strandbad und Uferwegen ist das Sommerwohnzimmer der Stadt – morgens Ruderer, tagsüber Badegäste, abends Sonnenuntergangspublikum am Augustabad-Ufer. Die Runde um den See ist per Rad ein Halbtagesklassiker.

Oberhalb thront der Belvedere-Aussichtspunkt: Der klassizistische Tempel über dem See liefert den Postkartenblick über Wasser und Wälder – am schönsten zur goldenen Stunde. Wer weiterläuft, erreicht die stillen Buchten der Westseite, wo selbst im Hochsommer Platz bleibt.

Auch das Umland sammelt Punkte: Burg Stargard mit ihrer Höhenburg, die Brodaer Teiche und die Endmoränenhügel der Mecklenburgischen Schweiz liegen in Ausflugsdistanz – Landschaften, die zwischen Seenplatte und Ostsee oft übersehen werden.

Kulinarisch überrascht die Stadt mit Bodenständigkeit plus: Fischbrötchen und Räucherfisch am See, regionale Küche in den Gasthäusern der Innenstadt und eine wachsende Café-Szene rund um den Marktplatz. Mecklenburger Spezialitäten wie Sanddorn und Wild tauchen zuverlässig auf den Karten auf.

Wer Veranstaltungen mag, merkt sich die Vier-Tore-Feste, das Jazzfrühjahr und die Sommertermine im Kulturpark vor – dann verbindet die Stadt Mauerkulisse und Programm am Wasser. Im Advent glänzt der Weihnachtsmarkt zwischen den Toren.

Praktisch: Neubrandenburg liegt an der Bahnstrecke Berlin–Stralsund, vom Bahnhof sind Wall und Zentrum in Minuten erreicht; zum See bringt einen der Stadtbus oder ein Spaziergang durch den Kulturpark. Räder leiht man zentral – die flache Region belohnt jede Tour.

So bleibt als Fazit: Die Vier-Tore-Stadt ist ein Geheimtipp im Wortsinn – zu Unrecht unterschätzt, leicht zu erreichen und voller Kontraste zwischen Backstein, Kunst und Seeluft. Wer einmal auf dem Wall spaziert ist und den Belvedere-Blick gesammelt hat, erzählt zu Hause garantiert davon weiter.

Der ideale Einstieg gelingt an einem Samstag: vormittags Wallrunde mit Wiekhaus-Stopps, mittags Markt und Einkehr, nachmittags Kulturpark und See, abends Konzertkirche oder Sonnenuntergang am Belvedere. Mehr Neubrandenburg passt in keinen einzelnen Tag – und weniger sollte es nicht sein.

Alles Weitere erledigt die Stadt selbst: mit Backsteinruhe, Seeluft und der Gelassenheit einer Region, die es nicht nötig hat, sich zu verstellen.

Wer schließlich wissen will, wie die Stadt wirklich tickt, kommt zum Feierabend an den See: Wenn die Sonne hinter den Hügeln versinkt und die Wallanlagen im Rücken liegen, zeigt sich Neubrandenburg von seiner versöhnlichsten Seite – als Stadt, die Wasser, Backstein und Weite zu einem stillen Gesamtkunstwerk fügt. Genau dafür lohnt sich der Umweg von der Autobahn.

Vier Tore, ein See, unzählige Geschichten – mehr Einladung braucht es eigentlich nicht. Bis bald zwischen Wall und Wasser.

Mehr braucht es nicht für einen gelungenen Tag im Nordosten – nur die Entscheidung, endlich hinzufahren.



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